Erinnern vor Ort - Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus

Trotz zeitweise strömenden Regens hatten sich mehr als 40 Menschen das Motto der Gedenkveranstaltung tief zu Herzen genommen. Sie versammelten sich unter einem Dach von Regenschirmen am Synagogendenkmal in der Münchener Straße 34- 38. Anlass war der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee, der sich am 27. Januar zum 63. Mal jährte.


Hier, am ehemaligen Standort der Synagoge, dem religiösen Zentrum des jüdischen Lebens in Schöneberg, sprach die Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert von der ungeheuerlichen Schuld des totalitären Naziregimes. "Gerade wir Deutschen erinnern uns damit an das von deutschem Boden ausgehende beispiellose Menschheitsverbrechen, an Völkermord und systematisch betriebenen Massenmord." Alle Demokratinnen und Demokraten seien deshalb verpflichtet, dem Antisemitismus, Rassismus, Extremismus und der Intoleranz unermüdlich den Kampf anzusagen.


In einer gemeinsamen Schweigeminute gehörten alle Gedanken den unschuldigen Opfern. Auf dem Hof der Löcknitz- Grundschule verneigten sich die Menschen vor den Namen ehemaliger jüdischer Nachbarn, deren Namen die Schülerinnen und Schüler der Löcknitz- Grundschule auf Gedenksteine geschrieben und zu einer Gedenkmauer aufgerichtet haben.


Der weitere Rundgang durch das Bayrische Viertel führte zu verschiedenen Stolpersteinen. Um zu erkennen, was auf ihnen steht, muss man sich ihnen entgegen beugen. Sie sind vor der Haustür der jüdischen Opfer in das Straßenpflaster eingelassen und bezeichnen die Stelle, an der die jüdischen Menschen ihren Todesweg betraten. Vielen Gästen der Veranstaltung war es ein Bedürfnis, an diesen Stellen Rosen niederzulegen.


In Tempelhof- Schöneberg gibt es eine aktive Erinnerungskultur. Diese gilt es fortzusetzen im Gedenken an die Opfer und als Mahnung zu Demokratie und Toleranz.


Der Rundgang am 27. Januar wurde gemeinsam von Mechthild Rawert, Gudrun Blankenburg und Lars Rauchfuß, Vorsitzender der Initiative Stolpersteine an der B96 - Gedenken in Berlin Tempelhof- Schöneberg e.V., organisiert.

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