Zu Besuch im Bundestag

Schnuppertag als Bundestagsabgeordnete

One Week Experience ist ein Social Startup mit dem Ziel, jungen Menschen eine bessere Zukunftsorientierung zu bieten. Dahinter steckt die Überzeugung, dass jede*r selbst herausfinden muss, was am besten zu ihm/ihr passt. One Week Experience hat mit dem Programm One Week Student als Schnuppertag an der Uni 2012 begonnen und 2016 One Week Azubi entwickelt.  Schüler*innen begleiten dabei quasi als Reality Check „echte“ Studierende bzw. Auszubildende in ihrem Bereich.

Ende Mai wurde mit One Day Experience  eine neu geborene Idee umgesetzt: Bundestagsabgeordnete an einem Tag in ihrem Alltag begleiten und dadurch das „Berufsfeld Bundestag“ erleben.

Ich wurde von Sagana Nithiyananthan, Schülerin einer 10. Klasse der Schule am Berlinicke Platz in Tempelhof begleitet. Hier ist ihr Bericht:

Planspiel „Jugend und Parlament“ – Melissa Gulde berichtet

 „Abgeordnete für 4 Tage“

Vom 27.5. bis zum 30.5. 2017 hatte ich mit über 300 weiteren Jugendlichen dank des Programms "Jugend und Parlament" die unvergleichbare Möglichkeit, in die Rolle der Bundestagsabgeordneten zu schlüpfen. Schon Tage vorher war ich gespannt darauf, wie das ganze Planspiel ablaufen würde.  Ich nahm mir vor, die Impressionen auf mich zukommen zu lassen und flexibel zu sein, da wir ja die Positionen fiktiver Parteien vertreten würden und nicht wirklich unsere private.

Am Anreisetag bekamen wir sofort unsere neuen Identitäten und einen fiktiven Lebenslauf, den wir so gut wie möglich verinnerlichen sollten. Für mich war dies eine große Umstellung, da ich als Abgeordnete Carina Andres die Schule sowie mein Studium aufgrund meiner Leidenschaft für die Politik abgebrochen habe und diese Rolle meinem eigentlichen Charakter sehr widerspricht. An dieser Stelle kam man auch sofort mit den anderen Jugendlichen ins Gespräch, weil man sich über seine neuen Rollen austauschte. In den Landesgruppen kam es zur Wahl der Vorsitzenden, wobei ich lediglich das Amt der Wahlleiterin einnahm. Aus den frisch gewählten Landesgruppensprecher*innen wählten wir dann den Fraktionsvorstand.

Das Reichstagsgebäude auf etwas andere Art

Das Reichstagsgebäude wird normalerweise nicht mit Kunst verbunden. Wenn der Name „Reichstag“ fällt, denkt mensch auch nicht in erster Linie an die Architektur des Gebäudes, stattdessen wird mit dem Gebäude die Politik assoziiert. Dabei kann das Gebäude mit der politischen Entwicklung Deutschlands, mit den jetzigen bundespolitischen Entscheidungen, oder auch nur mit einem großen Saal voller blauer Stühle und einem Redepult, der manchmal in den Nachrichten zu sehen ist, verbunden werden und all dies würde zutreffen.

Es stimmt: Der im Reichstagsgebäude angesiedelte Deutsche Bundestag ist das politische Herz der Bundespolitik. Das Gebäude ist aber noch viel mehr als das. Deswegen biete ich Bürger*innen aus Tempelhof-Schöneberg regelmäßig Kunst- und Architekturführungen durch das Reichstagsgebäude an. Die letzte Führung dieser Art fand am 18. März 2017 statt, einem politisch hoch bedeutsamen Tag.

Gleichstellung und Akzeptanz: „Was du nicht willst, dass man dir tut‘, ...“ - Schüler*innen des LETTE VEREIN BERLIN bei mir zu Gast

Niemals ist vorher klar, was der Diskussionsschwerpunkt während eines Gespräches mit Besucher*innen des Reichstagsgebäudes wird - und das ist gut so. Jede Gruppe ist in ihrer Zusammensetzung einzigartig. Jede Besucher*in hat die Möglichkeit zu Kommentaren und Fragen, hat die Möglichkeit zu einem direkten persönlichen Austausch zu dem, was ihr bzw. ihm am Wichtigsten ist. Die von der Bundestagsverwaltung zur Verfügung gestellten 60 Minuten sind immer zu kurz.

So auch bei der Diskussion mit 25 Schüler*innen des LETTE VEREIN BERLIN am 22. Februar 2017 bei mir im Bundestag zu Gast waren. Nach einem kurzen Bericht zu meiner Arbeit im Deutschen Bundestag und im Europarat begann eine lebhafte Diskussion zu meiner Arbeit und meinen Zielen im Europarat, zur Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderung auch im Bereich der politischen Teilhabe und eine Diskussion zum Umgang mit Mobbing.

Stell dir vor du müsstest fliehen…

Es ist ein Unterschied ob mensch reisen will und kann - oder reisen, flüchten muss. Wir in Deutschland Lebenden können reisen, wann und wohin wir wollen. Viele reisen sehr gerne, wollen woanders sein und andere Kulturen kennenlernen, andere reisen in den Urlaub, um sich vom hiesigen Alltag zu erholen. Wir haben Glück.

Es gibt aber Millionen von Menschen auf der Welt, die ihr Heimatland verlassen, nicht weil sie es möchten, sondern weil sie müssen. Und im Gegensatz zu in Deutschland lebenden Menschen, können sie oft auch nicht mehr zurückkehren, ohne ihr eigenes Leben oder das Ihrer Familienmitglieder zu gefährden. Eine alte sudanesische Weisheit besagt, „Das Haus stirbt nicht, das einen Gast willkommen heißt“ und so ist es, das Haus wird durch den Gast umso lebendiger und entfaltet sich zu seiner wahren Blüte.

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