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Psychosoziale Versorgung geflüchteter Menschen in Berlin

In der Charité, Campus Virchow-Klinikum, fand am Samstag, den 16. Januar 2016 die Konferenz „Psychosoziale Versorgung geflüchteter Menschen in Berlin“ statt. Konzipiert, organisiert und durchgeführt wurde diese wichtige Veranstaltung von der studentischen Arbeitsgruppe Global Health  der Charité.

„Gerade für geflüchtete Kinder und Jugendliche ist eine ganzheitliche medizinische Versorgung erforderlich.“

Den Einstieg gab Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie der Charité. Sie plädierte nachdrücklich für eine ganzheitliche medizinische Versorgung als Beitrag zur Integration und verdeutlichte dies anhand der Situation der Kinder und Jugendlichen mit Asylstatus. Kinder und Jugendliche - begleitet und unbegleitet - sind eine große Gruppe unter den Geflüchteten.

Prof. Dr. Grüters-Kieslich zählte Fluchtgründe von Kindern und Jugendlichen auf. Diese sind zumeist mit einer mittel- oder unmittelbaren Gefahr für Leib und Leben verbunden. Immer häufiger wird die ärztliche Feststellung des Alters junger Geflüchteter zu einer Aufgabe von Ärzt*innen. Die gängige - jedoch hoch umstrittene - Untersuchungsmethode ist dabei die Feststellung des Knochenalters. So hat der Deutsche Ärztetag wiederholt festgestellt, dass er die Altersfeststellung bei Geflüchteten anhand des Knochenalters entschieden ablehnt. Die Methode sei ungenau und die Strahlung belastet die untersuchte Person. Frau Prof. Dr. Grüters-Kieslich nannte Beispiele bei denen sich das wirkliche Alter und das Knochenalter erheblich, nämlich bis zu 4 Jahren, unterschieden haben. Sie kritisierte auch das Verhalten der Behörden in Einzelfällen, so wurde z.B. ein alleinreisendes Geschwisterpaar auseinander gerissen, da der ältere Bruder die Volljährigkeit erreicht hatte. Er musste in eine Unterkunft für Erwachsene umziehen und sein 5-jähriger, schwerkranker Bruder blieb in der Einrichtung für Minderjährige zurück.   

Für die Medizin wünscht sie sich eine Implementierung fester Vorgehensweisen im Umgang mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen. 45% der Kinder seien unter 6 Jahre und der überwiegende Teil käme aus (Bürger-)Kriegsgebieten. Dieser Hintergrund der Kinder und Jugendlichen müsste in der Versorgung eine viel stärkere Berücksichtigung finden.

Ihrer Meinung nach sind die Beratung der Eltern über Ernährung, Infektionen, Impfschutz, Hygiene, das Neugeborenscreening und Früherkennungsuntersuchungen, eine umfassende Untersuchung sowie bei Schulkindern auch Schulberatung, Medienberatung, Gewaltberatung und auch Sexualberatung genauso wichtig wie die Feststellung des Zahnstatus!

Sie wünschte sich, das medizinisch notwendige Operationen durchgeführt und Hilfsmittel unkompliziert angeschafft werden dürfen. Beides ist bei Asylsuchenden keinesfalls immer gegeben.

Sie strich noch einmal heraus, dass viele der Kinder und Jugendlichen an  posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Es sei sehr wichtig, dass angefangene Therapien auch bei Erreichen der Volljährigkeit fortgeführt werden.

Professorin Grüters-Kieslich warb eindringlich dafür, sich der UNICEF-Forderung anzuschließen: Im Mittelpunkt muss das Kindeswohl stehen. Flüchtlingskinder in Deutschland sind und bleiben in erster Linie Kinder - sie verlieren diesen Status auf der Flucht nicht und auch nicht, wenn sie in Deutschland angekommen sind. Das deutsche Ausländer- und Asylrecht schränkt für Kinder aus Flüchtlingsfamilien den Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und sozialer Teilhabe gravierend ein.

Das Wichtigste für alle Beteiligten in der Flüchtlingsarbeit ist, „dass jede*r die Haltung entwickelt: Alle Kinder sind willkommen!“.

„Die Therapiebedarfe der Kinder mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) müssen erkannt werden.“

Dr. Babette Gekeler, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Psychologie der Charité und Mitglied im Netzwerk Flüchtlingsforschung stellte in ihrem Beitrag „Interkulturelle Psychotherapie und Aufbau einer Pilotstudie zur Erfassung psychischer Gesundheit von Flüchtlingen in Berlin“ zunächst fest, dass 30% der Kinder an den Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Dies sei deswegen zu beachten, da kindliche Traumen zu veränderten Stressreaktionen führen und dadurch das Risiko an Erkrankungen steigt. Zudem würden die stressbiologischen Erkrankungen vererbbar sein. Die Behandlung der PTBS-Symptome ist also auch eine Investition in die Zukunft.

Mit der Pilotstudie soll der Leidensdruck dargestellt werden, um den Therapiebedarf zu ermitteln und Interventionsmaßnahmen herauszuarbeiten.

Therapieangebote in Berlin

PD Dr. Meryam Schouler-Ocak, Leitende Oberärztin der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig Krankenhaus, hielt den Vortrag „Therapeutische Angebote an der Charité“.

Sie stellte zunächst fest, dass in Deutschland 16 Millionen Menschen (20 Prozent) der Bevölkerung eine Migrationsbiographie haben - in Berlin 25 Prozent. Die Beschäftigung mit der psychosozialen Versorgung von Migrant*innen ist also durchaus keine Neuigkeit.

Anders als Migrant*innen, die hier bereits lange Jahre leben, haben Geflüchtete oftmals traumatische Ereignisse vor, während oder nach der Flucht erlebt. PD Dr. Meryam Schouler-Ocak stellte die - nicht nur an diesem Tag häufig zu hörende - These auf, dass eine Integration dann die größere Chance hat, wenn die Zeit in einer Flüchtlingseinrichtung gering ist. PTBS behindern eine Integration. Von den Flüchtlingen der letzten Jahre, eine Erfassung aus 2015 liegt nicht vor, wissen wir, dass 80 Prozent Angststörungskrankheiten und 60 Prozent Depressionen haben, die zeitlich gesehen vor allen Integrationsbemühungen behandelt werden müssten.

Sie verwehrte sich gegen die Verallgemeinerung eines Bildes von „der geflüchteten Person“. Auch geflüchtete Menschen sind Individuen. Jede*r hätte seine bzw. ihre eigene Kultur, die für eine Behandlung beachtet werden muss. Die Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Behandlung seien Sprachkenntnisse bzw. professionelle Sprachmittler*innen. Laien dürften dazu auf keinen Fall eingesetzt werden. Kenntnisse über die Religion, Krankheitsverständnis, Generationsunterschiede, Erwerbstätigkeit, Bildung, Akkulturation, und Gesundheitswissen sind notwendig. Unabdingbar ist die Interkulturelle Kompetenz.

Spezialsprechstunde für Geflüchtete und AsylbewerberInnen

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Campus Mitte, Universitätsmedizin Berlin, und die Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig- Krankenhaus bieten verschiedene Behandlungsangebote für PatientInnen mit Migrationshintergrund, darunter auch Spezialsprechstunden und Gruppenangebote für Geflüchtete und AsylbewerberInnen an. Sie hat Verselbständigungsgruppen, bietet aber auch soziale Kompetenztrainingsgruppen, außerdem wurde ein nonverbales Therapieangebot entwickelt.  Die Akutsprechstunde für Flüchtlinge findet dienstags von 11.00 bis 13.00 Uhr statt. Während der Sprechzeiten werden ein arabischsprachiger Dolmetscher und eine farsisprachige Dolmetscherin vorgehalten. Zudem sprechen alle Ärzte englisch.

 Mit der Aktion "Charité hilft" sichert die Charité zudem die medizinische Betreuung von Kindern und Erwachsenen in insgesamt drei Einrichtungen.

„Es kommen Menschen nach Deutschland.“

Sophia Schlette, Master of Public Health und Dipl.-Politologin, Health Services Knowledge Management, Leiterin des Hauptstadtbüros der Stiftung Gesundheit zeigte in ihrem Vortrag „Überlegungen zum politisch-gesetzlichen Kontext von Flüchtlingsversorgung“ auf, dass in Deutschland jede große Flüchtlingswelle mit einer Verschärfung des Asylrechts endete.

Sie stellte an das Publikum die Frage, ob nicht eher die Pegioten Integrationsmaßnahmen nötig hätten und bezweifelte die Wirksamkeit der "sicheren Herkunftsstaaten" anhand von statistischem Material.

Rabie Kandalfat ist ein Arzt aus Syrien, der erst seit 6 Monaten mittels eines Arbeitsvisums in Deutschland ist. Er äußerte seine persönlichen Einschätzungen zum Thema  „Psychische Belastungen im Verlauf von Flucht und Integration“. Da er den Krieg in Syrien selbst erlebt hat, stellt er klar, dass die Belastungen bereits vor der Flucht beginnen: Das Leben sei geprägt durch Unsicherheiten, Angst und Perspektivlosigkeit - die zu treffende Entscheidung liege zwischen alles aufgeben oder sich aufzugeben.

Während der Flucht erlebten die Menschen die omnipräsente Lebensgefahr und große Ungewissheit und die Abhängigkeit von Schleppern. Hier angekommen erreichen sie eine neue Stressphase: durch Asylverfahren, Sprachbarriere, Verlust des kulturellen Bezugsrahmens, der kulturellen Identität, dem fehlenden Kontakt zur Bevölkerung, Fremdenfeindlichkeit. Erwerbslosigkeit, Abhängigkeit von staatlichen Leistungen, geringe psycho-soziale Unterstützung, aber auch durch die Angst um die zurückgelassene Familie, die Familientrennung, die Rollenveränderungen in der Familie und intrapersonelle Schwierigkeiten wie Einsamkeit und Enttäuschung.

Die Rolle der Psychiatrie in Syrien müsse bei allen Bemühungen von Therapeut*innen und Ärzt*innen im „Hinterkopf“ sein. Psychische Erkrankungen werden in Syrien für eine Schande gehalten. Deshalb sei es unabdingbar, dass darüber aufgeklärt werden muss, dass Psychotherapien eine spezialisierte Form der Gesundheitsversorgung sind und nichts mit "verrückt sein" zu tun haben.

„Wir müssen die psychologische Grundversorgung verbessern.“

Dr. Dr. Ricarda Nater-Mewes, Nachwuchsgruppenleiterin der Klinischen Psychologie der Universität Marburg stellte das Projekt „Da.Sein - Psychologische Erstbetreuung von Asylsuchenden“ vor.

Das 2013 begonnene und in 2015 beendete Projekt „Da.Sein - Psychologische Erstbetreuung von Asylsuchenden“ wollte die psychologische Grundversorgung für Asylsuchende in Hessen verbessern und die psychologischen Folgen von Flucht und Asylsuche wissenschaftlich untersuchen. Das Projekt konzentrierte sich auf folgende Schwerpunkte:  (1) Diagnostik möglicher psychischer Störungen und die längsschnittliche Untersuchung des Verlaufs der psychischen Gesundheit bei Asylsuchenden zu Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschland; (2) Etablierung eines Angebotes einer psychoedukativen Gruppe, die über mögliche Folgen von und den Umgang mit traumatischen Erlebnissen und schwierigen Lebenssituationen sowie über das deutsche Gesundheitssystem informiert; (3) Angebot von Therapieplätzen zur Behandlung von Traumafolgestörungen; (4) Vernetzung von lokalen Akteuren im Bereich Flucht und Asyl.

Es konnten 141 Asylsuchende in die Diagnostik eingeschlossen werden, die Therapieplätze sind derzeit alle belegt. Die psychoedukative Gruppe wurde zeitweise auf Kurdisch und Arabisch angeboten.

Ergebnisse der Studie sind u.a.: 

-       80 Prozent aller untersuchten Asylbewerber*innen erfüllen das vollständige Bild einer der erfragten psychischen Störungen, sei es eine Posttraumatische Belastungsstörung, eine Depression oder körperliche Leiden. Die Asylsuchenden waren um ein Vielfaches stärker belastet als die Untersuchten aus der deutschen Vergleichsgruppe.

-       40 Prozent der traumatisierten Flüchtlinge hatten Pläne, sich das Leben zu nehmen – Auch nach Aussagen der Berliner Charité weisen Geflüchtete ein erhöhtes Risiko für Suizide und Suizidversuche auf.

-       Die meisten der Geflüchteten litten nach ihrer Flucht unter Schlafstörungen, Albträumen, wiederkehrenden Bildern von traumatischen Situationen, einer niedergeschlagenen Stimmung sowie einer hohen Anspannung und Nervosität.

-       Traumatische Erlebnisse schilderten demnach die meisten, viele erlebten Gewalt bereits im Heimatland, andere machten belastende Erfahrungen während der Flucht. 35 von untersuchte Männer und Frauen bezeichneten sich als Folteropfer, 80 weitere hätten Gewalt im engsten Sinne selbst erlebt. Das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei 32 Jahren, die meisten stammen aus Syrien, Afghanistan, Iran und Eritrea sowie Somalia.

Diese hessischen Untersuchungsergebnisse stimmen mit den im BPtK-Standpunkt „Psychische Erkrankungen bei Flüchtlingen“ getroffenen Analysen und Forderungen so ziemlich flächendeckend für die Bundesrepublik überein: Mindestens die Hälfte der Flüchtlinge in Deutschland ist psychisch krank. Meistens leiden sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (40 bis 50 Prozent) oder unter einer Depression (50 Prozent). Beide Erkrankungen kommen häufig gemeinsam vor. Auch bei Flüchtlingskindern in Deutschland sind Erkrankungen aufgrund traumatischer Erlebnisse besonders häufig. Jedes fünfte von ihnen ist an einer PTBS erkrankt. Das ist 15 Mal häufiger als bei Kindern, die in Deutschland geboren wurden.

PTBS tritt am häufigsten nach traumatischen Erlebnissen auf, die durch andere Menschen ausgelöst wurden („man-made-disaster“). Zu den berichteten häufigsten „man-made-disasters“ gehören Beschuss mit Handfeuerwaffen und Granaten, Hunger und Durst (z. B. während einer Haft), Todesdrohungen und Scheinexekutionen, körperliche Folter, Stromschläge, sexuelle Erniedrigung und Vergewaltigung sowie auch das Miterleben von Hinrichtungen oder Vergewaltigungen.

Die Studie hat gezeigt, dass die Versorgung von Folteropfern und traumatisierten Flüchtlingen in Hessen "rar, sehr schlecht" ist.

Eine Folge der Studie ist die Gründung des Kompetenznetzwerkes Psychische Gesundheit nach Flucht und Migration und der Wunsch nach einem Leitfaden zur Beantragung von Therapien für niedergelassene Ärzt*innen.

Frau Dr. Nater-Mewes benannte aber auch sehr deutlich die Hürden, die sich während der Studie auftaten: Es fehlte nicht nur an der Finanzierung von Dolmetscher*innen. Es fehlt vor allem generell an spezialisierten Dolmetscher*innen! Für Psychotherapien mit Flüchtlingen seien fast immer Dolmetscher*innen notwendig. Bisher werden Dolmetscherìnnenleistungen selten von den Sozialämtern und überhaupt nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Das Asylbewerberleistungsgesetz müsse so geändert werden, dass alle Geflüchteten grundsätzlich Anspruch auf Dolmetscher*innenleistungen haben, wenn diese für eine Krankenbehandlung notwendig sind.

„Hamburg hat Leuchtturm-Projekte.“

Auch Dr. Ulf Künstler, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Asklepios Westklinikums Hamburg, nannte in seinem Vortrag „Intervention Aufsuchende Sprechstunde in einer Zentralen Erstaufnahmestelle in Hamburg“ das Vorhandensein von professionellen Dolmetscher*innen zwingend erforderlich für eine erfolgreiche Behandlung.

Dr. Künstler schilderte zunächst die Ausgangslage im Westklinikum Hamburg wie sie sich vor gut einem Jahr dargestellt hatte. "Ausgangspunkt war, dass vermehrt Bewohner*innen der nahegelegenen Erstaufnahmeeinrichtung in den Bereitschaftsdiensten nachts und am Wochenende als Notfälle zu uns in die Zentrale Notaufnahme der Klinik kamen, mit Suizidversuchen, Suizidgedanken, Aggressivität und Unruhezuständen. Das Klinikpersonal fühlte sich hilflos und überfordert durch Verständigungsprobleme und  Krisensituationen auf den Stationen. Sie waren ratlos wie mit Attestersuchen umzugehen sei, ob sie einen (finanzierten) Behandlungsauftrag hätten und wie die  Nachsorge geregelt werden kann.

Um auch für diese Patient*innen dennoch zugespitzte Krisensituationen zu verhindern, nahm das Klinikum Kontakt mit der Erstaufnahmeeinrichtung auf und gründete mit dieser und Vertreter*innen aus den Behörden einen Runden Tisch, um gemeinsam zu überlegen, wie psychisch belastete Bewohner*innen geholfen werden könnte. Gemeinsam wurden die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Behandlungen der Geflüchteten geklärt.

Ein weiteres Ergebnis dieses Runden Tisches war die Einführung einer 4,5 Stunden dauernden Sprechstunde einmal pro Woche in der Erstaufnahmeeinrichtung. Behandelt werden in dieser Zeit zumeist 15 bis 20 Patient*innen, die zuvor von den Sozialarbeiter*innen angemeldet werden, wenn diese bei den Bewohner*innen psychische Auffälligkeiten beobachten oder diese über entsprechende Beschwerden klagen. "Zu uns kommen Menschen mit schizophrenen Erkrankungen und Depressionen, viele Patient*innen leiden aber nicht an einer psychiatrischen Erkrankung sondern sind massiv belastet durch ihre Wohnsituation, den Verlust von Angehörigen und die Erlebnisse auf ihrer Flucht.“

Die Ärzt*innen brauchen bei den Gesprächen mit den Patientìnnen auch die Hilfe von Dolmetscher*innen. "Zunächst machen wir uns mithilfe der Dolmetscher*in ein Bild, dann bieten wir Gespräche zur Entlastung an und verordnen eventuell Medikamente wie Schlafmittel und Antidepressiva." Bezahlt wird die Behandlung von der Stadt Hamburg. Im Einsatz ist dabei gleichermaßen die Erwachsenen- wie auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für die Flüchtlinge, die noch nicht krankenversichert sind, werden Medikamente über Spendengelder finanziert. Die Besonderheit ist, dass sowohl die hausärztliche Betreuung als auch der Sozialpsychiatrische Dienst in die Behandlung mit einbezogen werden.

Das Engagement der Klinik hat sich für alle ausbezahlt: die Zentrale Notaufnahme der Klinik wird wieder seltener in Anspruch genommen, das suizidale Verhalten von Geflüchteten hat sich verringert. Sowohl die Menschen in den Gesundheitsberufen als auch die Sozialpädagog*innen in der Erstaufnahmeeinrichtung fühlen sich entlastet.

Das Projekt hat in Hamburg Nachahmer*innen gefunden und es kam zur Gründung der Hamburger Initiative zur psychiatrischen Versorgung von Flüchtlingen.

„Die psychosoziale Versorgung von Geflüchteten ist eine der zentralen Voraussetzungen einer gelingenden Integration!“

Mein Resümee: Die vielen beeindruckenden Vorträge verdeutlichten die Notwendigkeit einer psychosozialen Versorgung von Geflüchteten sehr eindringlich. Nicht nur, um die seelische Not der einzelnen Menschen zu lindern sondern auch, um Integration gelingen zu lassen. Die Vorträge haben zudem gezeigt, dass vernetztes Handeln erfolgreich ist, um die noch zu schließenden Lücken zu identifizieren und zu schließen.

Eine Grundforderung ist: Wir brauchen mehr - finanzierte - qualifizierte  Dolmetscher*innen und müssen mehr Wert auf interkulturelle Kompetenz legen.