„Für eine nachhaltige Gesundheits- und Pflegepolitik müssen wir also die solidarische Bürgerversicherung einführen und vor allem in der Pflege den Personalmangel bekämpfen und bundesweit einheitliche Pflegestandards festlegen“. So der Kommentar einer Teilnehmerin des Politischen Frühschoppen zum Thema „SPD: Gesundheit und Pflege - (k)eine Frage des Geldes?“. Hierzu eingeladen hatte der Bundestagsabgeordnete Matthias Schmidt aus Treptow-Köpenick in die Diwali Spreelounge am 13. August 2017.
Auch Bewegung ist Gesundheitsförderung. Mir hat sehr gefallen, dass Matthias Schmidt, Berichterstatter für Sport der SPD-Bundestagsfraktion, auf die IBSA Blindenfußball Europameisterschaft 2017 in Berlin vom 18. bis 26. August hinwies. Wer eine Eintrittskarte für die Eröffnungsfeier haben möchte, wende sich bitte an sein Wahlkreisbüro, Ekkehardstr. 1, 12437 Berlin (Baumschulenweg), Telefon: 030/53 60 99 50. Hier gibt es kostenfreie Eintrittskarten.
„Zeit für mehr Gerechtigkeit“
Die SPD hat in dieser Legislaturperiode den Mindestlohn, das Transparenzgesetz gegen Lohnungerechtigkeit und wesentliche Verbesserungen im Rentensystem durchgesetzt. Diese sollen in der kommenden Legislatur noch weiter verbessert werden und die Bürgerversicherung kommt als nächstes großes sozialdemokratisches Projekt hinzu. Wir Sozialdemokrat*innen haben aber den Mut und die Tatkraft, das große Projekt der solidarischen Bürgerversicherung einführen zu wollen. Damit stellen wir die Finanzierung unseres Gesundheits- und Pflegesystems auf nachhaltige gerechtere Füße. Wir machen Schluss mit dem europaweiten Sonderfall eines Zwei-Klassensystems in der Krankenversicherung in Deutschland. Wir wissen: Die Einführung stößt auf großen Widerstand, wie viele Gerechtigkeitsthemen. Um es anzupacken, brauchen wir Sozialdemokrat*innen die Unterstützung und Stimme der Bürger*innen.
Pflegepolitik muss zur Chefsache werden
Fakt ist doch, dass alle Akteure an einem Strang ziehen müssen, um zumindest mittelfristig dem Personalmangel in der Pflege begegnen zu können. Wir müssen die Attraktivität des Berufes Pflege steigern. Dazu gehört eine bessere Personalausstattung, gehört aber sicher auch eine verbesserte, insbesondere auch bei abgeschlossenem Studium oder entsprechender Weiterbildung. Die Heilberufe müssen auf Augenhöhe miteinander kooperieren lernen, die Kompetenz der Pflege ist stärker herauszustellen. Ein Positivum im Pflegeberufegesetz sind schon mal die vorbehaltenen Tätigkeiten für die Profession Pflege. Berufsangehörige müssen sich aber auch stärker organisieren.
Einführung der paritätischen Bürgerversicherung
Die Einführung der solidarischen Bürgerversicherung ist ein zutiefst sozialdemokratisches Programm. Wir wollen eine solidarische Bürgerversicherung, bei der die starken Schultern die Schwachen tragen und die gesunden die kranken unterstützen. Wir wollen eine auch im demographischen Wandel zukunftsfeste Finanzierung. Mit der breiteren Finanzierungsbasis unternehmen wir Meilensteine.
Einzelne Bausteine sind:
Mit der solidarischen Bürger*innen versicherung stoppen wir auch Benachteiligungen für privat Versicherte: Zuweilen werden sie überversorgt, erhalten Therapie, die sie nicht benötigen. Außerdem müssen sie gegenüber Leistungsanbieter*innen in Vorkasse gehen, sind somit Schuldner*innen zum Beispiel der Ärzt*innen. Sollten die Kosten von der privaten Krankenversicherung nicht rückerstattet werden, bleiben die Patient*innen auf den Kosten sitzen! Anfänglich günstige PKV-Beiträge steigen während des Lebens horrende, ungerecht ist auch, dass Männer und Frauen unterschiedliche Beiträge zahlen müssen.
Widerstände werden unsere Einführung der solidarischen Bürger*innenversicherung nach dem jahrzehntelangen Lobbying von Schwarz-Gelb begleiten - unter anderem von der Privaten Krankenversicherung und der Ärzt*innenschaft begleiten. Fakt ist aber: In keinem anderen Land Europas gibt es den Dualismus, gibt es die Zweiteilung in eine gesetzliche und eine private Krankenversicherung. Wir Sozialdemokrat*innen wollen die Probleme aber angehen:
Pflege geht uns alle an
Und mal wieder wurde klar, dass Menschen das neue demographische Experiment, in dessen Anfängen wir ja längst stecken, aktiv mitgestalten wollen. Ich rede von der älter werdenden Gesellschaft, rede vom Ansteigen auch der Pflegebedürftigkeit insbesondere in der Generation 80plus, rede von neuen Herausforderungen für die Familien, rede von politischen Notwendigkeiten, damit wir alle sagen können „Mein Älter werden geschieht so, wie ich es mir wünsche“.
Nach meinen Ausführungen zu den Ergebnissen der zahlreichen Reformen in dieser Legislatur gab es mehrere Frage- und Antwortrunden. Für die Lebendigkeit möchte ich mich auch ausdrücklich sehr bedanken.
Es gab einen Strauß an Anregungen, die alle Herausforderungen darstellen:
Armut und Gesundheit
Anwesend war auch Robert Trettin, Vize-Sprecher der Nationalen Armutskonferenz. Diese hat im Juni 2017 Gesundheitspolitische Eckpunkte zur Bundestagswahl 2017 aufgestellt. Er erläuterte, dass gesundheitliche Ausgaben Menschen mit geringem Einkommen vor unüberwindbare Finanzierungsprobleme stellten und forderte, dass es für einkommensschwache Menschen eine vollständige Kostenbefreiung bei der Gesundheitsversorgung geben müsse. In unserem Wahl- und Regierungsprogramm erläutern wir an mehreren Stellen, wie wir uns eine Gesundheitsversorgung für alle auch in Unabhängigkeit vom vorhandenen Einkommen vorstellen. Ich danke für die Einladung, an einer der nächsten Sitzungen in Mainz teilzunehmen.