Die Praktikantin der Verwaltung des Deutschen Bundestages Tess Kühl führte am 29. März 2012 das folgende Interview mit der SPD-Bundestagsabgeordenten Mechthild Rawert aus Tempelhof-Schöneberg:
Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Seitdem ich Jugendliche bin, mache ich politische und gesellschaftliche Arbeit.
Ich war Mitglied in den unterschiedlichsten Vereinen und Verbänden. Ungefähr mit Mitte 20 bin ich in eine Gewerkschaft eingetreten und mit Ende 20 hatte ich das Gefühl, es reicht nicht aus, dass andere über mein Leben entscheiden, ich will selber was tun. Eine „Zaungast-Rolle“ genügte mir nicht mehr. So kam zur Arbeit in den Vereinen und der Gewerkschaft die SPD-Parteiarbeit hinzu.
Über die Rolle der Frauen in der Politik habe ich mit frauenpolitischen Aktivistinnen aus Algerien, Marokko, Mauretanien und Tunesien diskutiert. Besonders freute ich mich, dass ich mit Kadiata Malick Diallo eine Parlamentskollegin aus Mauretanien kennengelernt habe. Die Delegation weilt derzeit auf einer Themenreise “Demokratie und die Rolle der Frau im Maghreb” auf Einladung des Auswärtigen Amtes in Deutschland. Gern habe ich die engagierten Frauen in den Bundestag eingeladen um mit ihnen mich auszutauschen, wie die Rechte von Frauen weltweit gestärkt werden können.
In den letzten Tagen war in der Presse viel über Maulkorberlasse für Bundestagsabgeordnete, die andere Meinungen als ihre Fraktionen vertreten, zu lesen. Die Medien wussten hier mehr als die allermeisten Abgeordneten, da die angedachten Änderungen der Geschäftsordnung bisher nur im Geschäftsordnungsausschuss beraten worden waren. Weder die Fraktionen noch das Plenum hatten diese Vorschläge bis dato gesehen, schon gar nicht darüber diskutiert.
Als Mitglied des überfraktionellen Parlamentarischen Beirats für Bevölkerung und Entwicklung bin ich in den vergangenen Jahren häufiger in afrikanischen Ländern gewesen. Daher weiß ich, wie wichtig eine diskriminierungsfreie Erinnerungskultur zwischen den Staaten für einen politischen und zivilgesellschaftlichen Dialog „auf Augenhöhe“ ist. Ich bedauere es zutiefst - zumal nach dem beschämenden Auftritt der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, in der Charité anlässlich der Übergabe von 20 Schädeln von Stammesangehörigen an Vertreter der Völker der Herero und Nama im vergangenen Jahr und der anschließenden diplomatischen Verstimmungen -, dass die Bundesregierung sich weiterhin einer Entschuldigung für die Kriegsverbrechen und den Völkermord zu Deutschlands kolonialen Zeiten im heutigen Namibia entzieht.
Der 26. Jahrgang des Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) hat am 1. März begonnen. Die Hauptidee des Programmes ist es 115 junge Leute aus 28 Ländern zusammen zu bringen, die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den Ländern zu stärken, demokratische Werte zu festigen, friedliches Zusammenleben zu sichern und langfristige Freundschaften zu knüpfen.
Ich bin Simona Kramerova, eine von den 115 Stipendiaten und eine von den 5 Stipendiaten aus der Slowakei, und werde fünf Monate das Praktikum im Bundestagsbüro von Mechthild Rawert machen. Und wer bin ich? Ich bin 22 Jahre alt, komme aus Bratislava und habe Politikwissenschaft und Management an der Comenius Universität in Bratislava studiert. Während meines Bachelor-Studiums habe ich zwei Semester als Erasmusaustauschstudentin an der Universität Regensburg im Fachbereich Politikwissenschaft studiert. Diese Erfahrung war für mich ein einmaliges Erlebnis, dass mich positiv beeinflusst hat.