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Newsletter von Mechthild Rawert

newsletter Mechthild Rawert 17. April 2015

Liebe Leserin, 
lieber Leser,

"Er war ein richtiger Friedenauer", so titulierte der rbb seinen Beitrag zum Tod von Günter Grass, der im Alter von 87 Jahren am 13. April in Behlendorf bei Lübeck verstorben ist. In der Niedstraße 13 in Friedenau lebte er mit seiner kinderreichen Familie von 1963 bis 1996. Älteren NachbarInnen ist er noch immer als freundlicher und liebenswerter Nachbar in Erinnerung. Seiner gedacht habe ich am Montagabend vor dem Fernseher. Ihm zu Ehren fand eine Programmänderung statt. Gezeigt wurde „Die Blechtrommel“, sein 1959 erschienener Roman, für den er den Literaturnobelpreis erhielt und der 1979 von Volker Schlöndorff verfilmt worden war.

Bekannt war Grass auch für sein gesellschaftskritisches Engagement. Mit Willy Brandt verband ihn eine enge Freundschaft. Der Literat war einer der wichtigsten Wahlkämpfer des späteren Bundeskanzlers. Im „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“ ist nachzulesen, dass die Kinder ihn einst vor einem Aufbruch zum „Wahlkontor“ fragten:

 „Und wohin willste morgen schon wieder?“

„Nach Castrop- Rauxel.“

„Und was machste denn da?“

„Redenreden.“

„Immer noch Espede?“

„Fängt ja erst an.“

Günter Grass trat 1982 in die SPD ein. Er war Mitglied meiner Heimatabteilung, der SPD Friedenau. Obwohl er seine Mitgliedschaft 1992 aus Protest gegen den Asylkompromiss aufkündigte, setzte er sich auch danach für sozialdemokratische Werte und Ideen ein. Er blieb der SPD bis zuletzt verbunden. "Mit ihm verlieren wir einen der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsgeschichte und einen engagierten Autor und Kämpfer für Demokratie und Frieden" (Sigmar Gabriel).

newsletter Mechthild Rawert 27. März 2015

Liebe Leserin,
lieber Leser,

eine unfassbare Tragödie ist geschehen. Angehörige, Freundinnen und Freunde, Mitschülerinnen und Mitschüler, Kolleginnen und Kollegen trauern um ihre Lieben. Mit Schweigeminuten zeigen viele Menschen ihre Anteilnahme über den Tod von 150 Menschen. Niemand ist unberührt, die Betroffenheit groß. „Wir sind tief erschüttert über diese Katastrophe, die eines der größten Unglücke in der Geschichte der deutschen Luftfahrt ist. Wir trauern mit den Angehörigen und Freunden der Opfer und sprechen Ihnen unser Mitgefühl aus“, erklärt Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert im Gedenken an die Opfer von Flug 4U 9525. Auch der Deutsche Bundestag gedachte der Opfer des Germanwings-Flugzeugabsturzes am 24. März. Mir fehlen die Worte.

newsletter Mechthild Rawert 13. März 2015

Liebe Leserin, 
lieber Leser,

jede und jeder von uns weiß: Ich bin Teil des demografischen Wandels! Das bezieht sich selbstverständlich auch auf den Bereich Pflege. Nach gestern veröffentlichten Daten waren im Dezember 2013 in Deutschland 2,63 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). 71 Prozent oder 1,86 Millionen aller Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt. Von diesen erhielten 1,25 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, wurden also in der Regel allein durch Angehörige gepflegt. Weitere 616.000 Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten, die Pflege erfolgte zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. 29 Prozent bzw. 764.000 Pflegebedürftige wurden vollstationär in Pflegeheimen betreut. Eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz aufgrund von demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen wies ein Drittel (35 %) der Pflegebedürftigen auf. 

Kann Pflege zu Hause ein Zukunftsmodell bleiben?

Den größten Pflegedienst hierzulande leisten unbestreitbar die Angehörigen von Pflegebedürftigen oder deren FreundInnen und Bekannte. Glücklich also die Menschen, die über „soziales Kapital“ im Sinne von Freundschafts-, Nachbarschafts-  und Fürsorge-Netzen verfügen.

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird steigen, laut Berechnungen des Bundesministeriums für Gesundheit auf rund 4,4 Millionen im Jahr 2050. Und unsere Gesellschaft ändert sich bis dahin sehr: U.a. stehen immer mehr ältere Menschen immer weniger Jüngeren gegenüber. Auch der familiäre Zusammenhalt verändert sich, Mobilität, die eigene Berufstätigkeit, aber auch der Wille der Älteren, sich nicht von den Kindern pflegen zu lassen, sind nur einige Gründe. Der Wunsch, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu leben, hat gemäß nationaler und internationaler Studien aber Bestand.

Bisher liegen nur wenige konkrete Daten über Umfang und Art der Pflege durch Angehörige vor. Die ebenfalls aktuelle Studie „Pflegen: Belastung und sozialer Zusammenhalt - Eine Befragung zur Situation von pflegenden Angehörigen“ fragt danach, welche Bedarfe auf Seiten der Pflegebedürftigen, aber auch auf Seiten der Pflegenden bestehen. Ziel der Befragung war es, Erkenntnisse über die Belastungssituation der Pflegenden und über die Inanspruchnahme von Entlastungsangeboten zu erhalten. Wesentliche Ergebnisse dieser Studie sind:

  • Pflegende Angehörige sind oftmals enge Verwandte, vor allem Kinder (50 Prozent).
  • Die größte Gruppe stellen Frauen im Alter von 50 bis 59 Jahren dar. Informell Pflegende schätzen ihren eigenen Gesundheitszustand im Vergleich zur Gesamtbevölkerung weniger positiv ein. 
  • Personen, die Pflegebedürftige mit Demenz pflegen, sind signifikant stärker belastet. 
  • Die große Mehrheit der pflegenden Angehörigen (80 Prozent und mehr) nimmt aber auch Kraft aus der Pflege mit und fühlt sich in der Lage, die Pflege gut zu bewältigen.
  • Als Beweggrund für die Übernahme der Pflege geben ältere Pflegende sehr viel häufiger Pflichtgefühl und Familienzusammenhalt an als jüngere Angehörige.
  • Etwas mehr als die Hälfte der Pflegenden ist berufstätig (55 Prozent). Davon hat jede/r Dritte seine Arbeitszeit aufgrund der Pflegesituation reduziert und ebenfalls fällt es jeder/m Dritten schwer, Beruf und Pflegetätigkeit zu vereinbaren.
  • Es werden überraschend viele Entlastungs- und Betreuungsangebote nicht genutzt oder sie sind nicht bekannt.

Fakt ist: Wir müssen vorhandene Unterstützungsangebote überprüfen und weiterentwickeln sowie weitere Erkenntnisse für neue und optimierte Versorgungsangebote gewinnen.

newsletter Mechthild Rawert 10. März 2015

Liebe Leserin, 
lieber Leser,

erst vor kurzem haben sich Griechenland und die Eurogruppe auf einen grundsätzlichen Rahmen für die viermonatige Verlängerung des laufenden zweiten Hilfsprogramms verständigt. Die griechische Regierung hatte sich verbindlich zu konkreten Reformschritten verpflichtet. Zu diesen gehört auch, endlich mehr Steuergerechtigkeit zu schaffen und die Korruption zu bekämpfen. Dieser Kampf gehört zu den Aspekten eines sozialen Europas, wie es auch die EU-Kommission anstrebt. Auf dieser Grundlage hat die griechische Regierung in einer namentlichen Abstimmung am 27. Februar meine als auch die Unterstützung der allermeisten Bundestagsabgeordneten bekommen.

Die Europartner haben der griechischen Regierung bis Ende April Zeit gegeben, um die von der Vorgängerregierung zugesagten Reform- und Sparschritte umzusetzen. Diese sollen von EZB, EU und IWF überprüft werden, bevor die verbliebenen Kredite ausgezahlt werden. Anschließend hat Griechenland bis Ende Juni Zeit, um über ein weiteres drittes Hilfspaket zu verhandeln. Allerdings verweigert Griechenland derzeit jede Form von Controlling. Eine Einschätzung sowohl der Gesamtlage des Staates als auch der Folgen der Wirksamkeit der unternommenen Maßnahmen ist derzeit nicht möglich. Die Folge: Die griechische Regierung kann erst einmal nicht auf eine zügige Auszahlung der von der Bevölkerung dringend benötigten Hilfsmilliarden ihrer Euro-Partner setzen.

Nach wie vor möchte ich keinen Austritt Griechenlands aus dem Euro, keinen sogenannten Grexit. Dennoch gilt: Gegenseitiges Vertrauen und Solidarität sind die Fundamente für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in Europa. Die griechische Regierung macht es vielen derzeit wirklich nicht leicht. Das vom griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis am vergangenen Freitag an Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem geschickte Reformkonzept hatte noch zu viele Lücken. Das Treffen der griechischen Regierung mit den Eurofinanzministern gestern blieb daher erst mal wieder ergebnislos.

Die Tragik ist: Die leeren staatlichen Kassen führten im Februar erstmals dazu, dass Staatsbedienstete nicht bezahlt werden konnten. Außerdem „leiht“ sich die Regierung bereits Geld aus den staatseigenen Pensionskassen und Betrieben.

... newsletter Mechthild Rawert 20. Februar 2015

Liebe Leserin,
lieber Leser,

gemäß chinesischem Mondkalender befinden wir uns seit gestern im Jahr des Schafes bzw. der hölzernen Ziege. Beide Tiere gelten als umgänglich, sanft und sympathisch. Wer an die vielen sehr verschiedenartigen Konflikte in der Welt - Ukraine, Syrien, IS, Ebola oder an das heute stattfindende Gespräch der Euro-Gruppe mit dem griechischen Finanzminister Varoufakis - denkt, begrüßt ein ruhiges Jahr. Da diese Eigenschaften aber vermeintlich keine Erfolgsfaktoren für den Überlebenskampf in der Wirtschaftswelt darstellen, wollten viele Chinesinnen ihr Kind noch lieber im stürmischen Jahr des Pferdes zur Welt bringen, notfalls mit Kaiserschnitt. 

Nun werfe in Deutschland darüber niemand den Stein: In Deutschland kommt jedes dritte Kind durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. Nur für ca.15 % der Kaiserschnitt-Entbindungen liegt eine medizinische Indikation vor. Erstaunlicherweise gibt es auch riesige regionale Unterschiede. Leider werden die Risiken dieser Geburtsform für Mutter und Kind noch nicht flächendeckend erkannt. Der Kaiserschnitt erhöht die Erkrankungswahrscheinlichkeit der Neugeborenen, beispielsweise ein lebenslang erhöhtes Risiko für die häufigsten Autoimmunerkrankungen. Daher bin ich froh, dass es mir gelungen ist, im Bundeshaushalt 2015 Geld dafür einstellen zu lassen, damit Fachleute anfangen können, evidenzbasiertes Wissen in einer sogenannten S3-Leitlinie zusammenzustellen. Das ist ein echter Beitrag zur Sicherstellung der Gesundheit von Mutter und Kind, ist ein echter Beitrag zur Verbesserung der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen. Der Trend zur Zunahme der Kaiserschnittrate muss unbedingt reduziert werden.

Die Ausstellung „KAISERSCHNITT – GOLDENER SCHNITT? Bilder rund um die Geburt“ im Familienplanungszentrum stellt das Thema in der Verbindung von Kunst, Gesundheit und Politik eindrücklich dar.

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